Das menschliche Gesichtsfeld
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Das menschliche Gesichtsfeld – einfach erklärt

Das Gesichtsfeld ist der visuelle Informationsraum, den Sie täglich nutzen, um Ihre Umgebung zu überwachen. Es ermöglicht Ihnen, einen großen Bereich der Welt um Sie herum zu erfassen, ohne Ihre Augen zu bewegen. Mit dem Gesichtsfeld können wir effektiv navigieren und interagieren, was für die persönliche Sicherheit und die Unabhängigkeit im Alltag unerlässlich ist, etwa beim Autofahren.

Mit zunehmendem Alter und unter bestimmten gesundheitlichen Bedingungen kann sich Ihr Gesichtsfeld verändern. Beispielsweise verkleinert sich der horizontale Bereich, den junge Menschen mühelos überblicken können, von etwa 175 Grad auf ungefähr 139 Grad im fortgeschrittenen Alter. Diese Verringerung des Gesichtsfeldes beeinträchtigt vor allem Aktivitäten, bei denen eine breite visuelle Wahrnehmung erforderlich ist, wie beim Führen von Fahrzeugen. Wichtig ist daher, potenzielle Auswirkungen des altersbedingten Gesichtsfelds auf das tägliche Leben zu berücksichtigen und zu verstehen.

Was ist das Gesichtsfeld und warum ist es wichtig?

Ihr Gesichtsfeld, auch als visuelles Feld bekannt, ist der Teil des Raumes, den Sie durch Ihre Augen wahrnehmen können, ohne den Kopf zu drehen oder die Augen zu bewegen. Es ist ein fundamentaler Aspekt Ihres Sehens, der für die effektive Erfassung Ihrer Umgebung effektiv zuständig ist. Die Fähigkeit, gleichzeitig einen so weiten Bereich abzudecken, beruht auf der binokularen Vision – der Zusammenarbeit Ihrer beiden Augen, die dem Gehirn zwei leicht unterschiedliche Bilder liefert. Ihr Gehirn verarbeitet diese beiden Bilder zu einem einzigen dreidimensionalen Seheindruck, der Ihnen bei der Einschätzung von Entfernungen und räumlicher Orientierung hilft.

Der Umfang Ihres Gesichtsfeldes wird von Faktoren wie Alter und Aufmerksamkeit beeinflusst. Während Sie jugendlich sind, ist das horizontale Gesichtsfeld besonders weit. Mit dem Alter oder aufgrund bestimmter Aufmerksamkeit fordernder Situationen kann sich die Spannweite Ihres Gesichtsfeldes verringern.

Das Gesichtsfeld wird in folgende Bereich eingeteilt:

  • Zentrales Gesichtsfeld: Hier ist Ihre Sehschärfe am höchsten.
  • Peripheres Gesichtsfeld: Hier nehmen Sie Bewegungen und Lichtreize wahr.
  • Binokulares Gesichtsfeld: Der Bereich, der von beiden Augen gesehen wird.
  • Monokulares Gesichtsfeld: Der Bereich, der nur von einem Auge gesehen wird.

Der Zusammenhang zwischen Gesichtsfeld und Blickfeld ​​​​​​​

Während das Gesichtsfeld jenen Bereich umfasst, den man ohne Kopfbewegung erfassen kann, spricht man beim Blickfeld von dem Bereich,  der durch zusätzliches Bewegen der Augen wahrgenommen werden kann. Dieses umfasst also das gesamte Sichtfeld, wie es sich inklusive Augenbewegungen darstellt, und deckt damit eine beträchtlich breitere Fläche ab.

Die Unterschiede zwischen Gesichts- und Blickfeld haben weitreichende Auswirkungen im täglichen Leben. Wenn Sie beispielsweise Auto fahren, nutzen Sie Ihr Gesichtsfeld, um die Straße direkt vor Ihnen im Auge zu behalten, während das Blickfeld Ihnen erlaubt, sich nach sich nähernden Fahrzeugen umzusehen oder Verkehrsschilder zu erkennen. Damit spielen beide Felder eine entscheidende Rolle für Ihre Sicherheit im Straßenverkehr.

Geschlechts- und aufmerksamkeitsabhängige Unterschiede im Gesichtsfeld

Forschungen zeigen, dass das Gesichtsfeld von Frauen durchschnittlich um etwa zwei Grad weiter ist als das von Männern. Bedeutsamer sind jedoch die Einflüsse von Aufmerksamkeit und Stress: In Phasen hoher Konzentration oder ausgeprägten Stresses kann sich Ihr Gesichtsfeld temporär verringern, was wiederum Ihre Fähigkeit beeinträchtigen kann, die Umgebung vollständig wahrzunehmen.

Insbesondere beim Autofahren erfordert die Anpassungsfähigkeit Ihrer Sehkraft den Wechsel zwischen einem breiten Gesichtsfeld und fokussierter Aufmerksamkeit. Diese Flexibilität ist essentiell, um sowohl die Straße direkt vor Ihnen zu überblicken als auch das Verkehrsgeschehen am Rand Ihres Gesichtsfeldes zu registrieren. Diese Fähigkeit, die Wahrnehmung schnell anzupassen, trägt maßgeblich zur Vermeidung von Unfällen und Gefahren im Straßenverkehr bei.

Das Gesichtsfeld und die Aufmerksamkeitsblindheit – ein kritisches Zusammenspiel

Ihr Gesichtsfeld ist nicht in jedem Bereich gleich leistungsfähig. Zentral, wo sich die Makula befindet, erleben Sie hohe Sehschärfe, während diese zur Peripherie hin abnimmt. Ein Phänomen, das Sie im Alltag häufig begegnen, ist die Aufmerksamkeitsblindheit: Wenn Sie sich auf einen bestimmten Bereich oder eine Aufgabe konzentrieren, bemerken Sie womöglich keine Veränderungen oder Ereignisse in Ihrem peripheren Gesichtsfeld.

Eine Aufmerksamkeitsblindheit kann in sehr unterschiedlichen Situationen auftreten, zum Beispiel:

  • Sie übersehen einen Bekannten am Straßenrand, während Sie auf Verkehrsschilder achten.
  • Beim Lesen eines Buches registrieren Sie nicht, wenn jemand den Raum betritt.
  • Veränderungen im Gesichtsausdruck Ihres Gegenübers nehmen Sie nicht wahr, weil Sie auf die eigenen Gedanken fokussiert sind.
  • Während einer Präsentation entgeht Ihnen die Uhrzeit, da Ihre Aufmerksamkeit allein beim Vortrag liegt.
  • Während eines spannenden Films merken Sie nicht, dass ihr Sitznachbar aufsteht.

Das Verständnis für diese variierenden Fähigkeiten im Gesichtsfeld kann Ihnen dabei helfen, Ihr Sehvermögen effektiver zu nutzen und die Aufmerksamkeit entsprechend anzupassen.

Sehschärfe im Gesichtsfeld – Von Makula bis periphere Wahrnehmung

Die Schärfe Ihrer Wahrnehmung unterscheidet sich drastisch innerhalb Ihres Gesichtsfeldes. In der Mitte der Netzhaut des Auges, in der Makula und speziell in der Fovea, ist Ihre Sehfähigkeit am präzisesten. Dort erreichen Sie 100 Prozent Sehschärfe. Aufgrund dieses Bereichs können Sie feine Details erkennen wie etwa die Buchstaben, die Sie gerade lesen.

In verschiedenen Alltagssituationen kann die Sehschärfe jedoch abnehmen, beispielsweise:

  • Beim Autofahren erkennen Sie das Kennzeichen des Fahrzeugs vor Ihnen scharf, während Autos am Straßenrand nur verschwommen wahrnehmbar sind.
  • Beim Überfliegen einer Speisekarte fokussieren Sie auf einzelne Gerichte, doch die am Rand platzierten Preise nehmen Sie nur unscharf wahr.
  • Während eines Gesprächs können Sie die Augen Ihres Gegenübers scharf sehen, aber dessen Körperhaltung erfassen Sie lediglich peripher.

Diese natürliche Begrenzung der Sehschärfe ist Teil des menschlichen Seherlebnisses und verdeutlicht, wie wichtig es ist, sich seiner visuellen Fähigkeiten und deren Grenzen bewusst zu sein.

Die Bedeutung des Gesichtsfelds für die Verkehrstauglichkeit

Wenn Sie sich hinter das Steuer eines Fahrzeugs setzen, ist ein intaktes Gesichtsfeld von unschätzbarem Wert. Variationen oder Einschränkungen Ihres Gesichtsfelds können Ihre Fahrfähigkeit erheblich beeinflussen und das Risiko von Verkehrsunfällen steigern. Vorsicht ist insbesondere bei Augenerkrankungen wie dem Grünen Star (Glaukom) geboten, bei denen ein progressiver Gesichtsfeldverlust auftritt. Ein vermindertes Gesichtsfeld schränkt die Fähigkeit ein, herannahende Fahrzeuge oder Fußgänger rechtzeitig zu bemerken.

Folgende Gesichtsfeldbeeinträchtigungen haben Auswirkungen auf die Fahrkompetenz:

  • Verengtes peripheres Sehen (Tunnelblick): erschwert das Erkennen seitlicher Gefahren und limitiert die Wahrnehmung von Hindernissen und Signalen im Straßenverkehr.
  • Zentrales Skotom: behindert das Erkennen von Objekten direkt vor dem Fahrzeug.
  • Erhöhtes Risiko, geblendet zu werden: beeinträchtigt die Anpassung an abrupt wechselnde Lichtverhältnisse.
  • Verzögerte Reaktionszeit: folgt aus der reduzierten Fähigkeit, Bewegungen im Umfeld wahrzunehmen.

Das rechtzeitige Erkennen von Veränderungen im Gesichtsfeld tritt somit als entscheidendes Element für die Sicherheit im Straßenverkehr hervor.

Faktoren, die das Gesichtsfeld beeinflussen

Ihr Gesichtsfeld ist nicht nur anatomisch bedingt, sondern auch durch externe Faktoren beeinflussbar. Mit fortschreitendem Alter kann sich die Spannweite reduzieren, was Ihre allgemeine Wahrnehmung beeinträchtigen kann. Übermüdung oder intensiver Stress können einen Zustand herbeiführen, der als Tunnelblick bekannt ist und Ihre Sicht einengt. Im Bereich der Flugmedizin ist besonders der sogenannte “Greyout” bekannt – ein eingeschränktes Sehen infolge hoher Beschleunigung, das bis zum vollständigen Blackout führen kann. Solche Veränderungen machen deutlich, wie Ihr Gesichtsfeld situativ differieren kann.

Gesichtsfeldausfall und Erkrankungen – Eine Übersicht

Gesichtsfeldausfälle können durch eine Vielzahl von Erkrankungen verursacht werden, die Ihr Sehvermögen stark beeinträchtigen können. Zu den häufigsten gehören:

Diese Krankheitsbilder entwickeln sich oft progressiv, weshalb frühzeitiges Erkennen und medizinische Interventionen entscheidend sind, um das Sehvermögen zu bewahren.

Die Diagnose von Gesichtsfeldveränderungen durch Perimetrie

Die Perimetrie ist ein wichtiges diagnostisches Verfahren, das verwendet wird, um das Gesichtsfeld zu kartieren und Veränderungen darin zu identifizieren. Diese schmerzfreie Methode misst das gesamte Gesichtsfeld, indem Sie darauf reagieren, wenn Lichtpunkte an verschiedenen Stellen in Ihrem Sichtfeld erscheinen. Die Perimetrie ist besonders nützlich, um die Frühstadien von Augenkrankheiten zu erkennen, da  mit ihr selbst geringfügige Abweichungen im Gesichtsfeld detektiert werden können. Diese Präzision macht die Perimetrie zu einem unverzichtbaren Werkzeug in der Augenheilkunde und ist maßgeblich bei der Feststellung und Überwachung von Erkrankungen, die Ihr Sehvermögen beeinträchtigen können.

Das Gesichtsfeld und die psychische Verfassung – Die psychosomatische Komponente

Zwischen dem Gesichtsfeld und dem psychologischen Zustand besteht eine wechselseitige Beziehung. Emotionale Traumata können zu einem Verlust des Gesichtsfeldes führen, ein Phänomen, das manchmal als psychosomatische Reaktion beschrieben wird. Verlust oder Veränderungen im Gesichtsfeld aufgrund psychischer Belastungen bedürfen einer ganzheitlichen Betrachtungs- und Behandlungsweise. Psychologische Unterstützung ist dabei ein wichtiger Bestandteil, um eine sinnvolle Bewältigung und gegebenenfalls eine Wiederherstellung des Sehvermögens zu ermöglichen. Ihre mentale Gesundheit spielt also eine wesentliche Rolle bei der Erhaltung und Pflege Ihrer visuellen Wahrnehmung.

Fazit: Die Komplexität des menschlichen Gesichtsfeldes verstehen

Das Gesichtsfeld beeinflusst, wie Sie die Welt erfassen und mit ihr interagieren. Seine Komplexität fordert Anerkennung und Verständnis. In diesem Kontext zeichnen sich die Artemis-Kliniken durch ihre medizinische Kompetenz in Diagnostik und Therapie von Sehproblemen aus. So können wir beispielsweise eine umfassende Gesichtsfelduntersuchung durchführen, die unter anderem ein wichtiges Mittel im Rahmen der Glaukom-Vorsorge sowie der Vorsorge bei Netzhauterkrankungen wie der Makuladegeneration ist. Als diagnostisches Verfahren setzen wir die Perimetrie ein, um Augenerkrankungen frühzeitig zu erkennen und therapeutische Maßnahmen entsprechend optimieren zu können. Sollten Sie bezüglich Ihres Gesichtsfeldes Bedenken oder sogar Beschwerden haben, ist es ratsam, fachkundigen Rat einzuholen. Als kompetenter Partner stehen die Artemis-Kliniken mit ihren Augenspezialisten zuverlässig an Ihrer Seite.